Zuerst die gute Nachricht. Die Krankenstände sind in den letzten zwanzig Jahren von 15,2 auf 12,9 Tage pro Dienstnehmer und Jahr zurückgegangen. Allerdings – und das ist die weniger gute Nachricht – haben sich die Kurzkrankenstände im selben Zeitraum verdoppelt. Was schließt Peter Haubner, Generalsekret des Wirtschaftsbundes daraus? Die undankbaren Lohnsklaven sind zwar gesünder geworden, wollen aber dafür öfter krankfeiern. Dem muss selbstverständlich ein Riegel vorgeschoben werden.
Krankenstände sollen, geht es nach Haubner, erst ab dem zweiten Krankenstandstag bezahlt werden. Dies sieht er nicht als Bestrafung für den Kranken, sondern als einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit. Begründung: „Die Unternehmer zahlen einen Großteil des Kindergeldes, der Schulbücher, der Freifahrten. Zuletzt gab es Forderungen nach einem Papa-Monat, und der Pflegeurlaub soll auch ausgedehnt werden. Da muss man einmal Stopp sagen.“
Ganz recht. Auch wir sagen Stopp für das Deponieren mentalen Sondermülls in der Öffentlichkeit! Vielleicht hat Herr Haubner ja in seinem Übermut unberücksichtigt lassen, dass ein Krankenstand erst von einem zugelassenen Arzt bestätigt werden muss, um als solcher zu gelten. Ja, es ist schon klar, dass so mancher Weißkittel etwas bestätigt, wo es gar nichts zu bestätigen gibt. Aber nicht jeder Arzt ist ein Betrüger. Genauso wenig, wie jeder Chirurg ein Quacksalber ist, der ein gebrochenes Bein mit einem Herzschrittmacher therapieren will. Nicht lachen, das hatten wir tatsächlich schon. Der betroffene Arzt wechselte daraufhin das Fach. Er wurde Zahnarzt. Bei – im Optimalfall – 32 Beißerchen im Mund des Patienten fällt ein klitzekleiner Irrtum bei der Extraktion nicht so schwer ins Gewicht.
Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung finden die Forderung gerechtfertigt, und wer etwas anderes erwartet hat, ist selbst schuld. Nur im ÖAAB, das ist jener Bund, der sich für die Interessen der ArbeitnehmerInnen einsetzt – ja darf es denn so ein Krebsgeschwür überhaupt geben – findet man die Haubneridee nicht ganz toll. Aber Veit Sorger und Christoph Leitl werden Johanna Mikl-Leitner schon zeigen, wo der Bartl den Most und die Arbeitgeber die Kohle holen.
Setzt sich der Wirtschaftsfuzzi mit seiner Forderung tatsächlich durch, so ist der unbezahlte Erstkrankenstandstag nur der Anfang. In weiterer Folge kann man davon ausgehen, dass Krankenstände, die länger als 15 Tage dauern darauf schließen lassen, der betroffene Dienstnehmer wird nicht mehr seine volle Leistung erbringen. Daher werden diese Kandidaten umgehend eingeschläfert. Das entlastet die Wirtschaft und schafft neue Arbeitsplätze. Ökonomisch bedingte Euthanasie.
Geht`s der Wirtschaft gut, geht`s uns allen gut. Dabei drängt sich die Frage auf, ob es Herrn Haubner noch gut geht.

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