Klaus Wittauer war einmal Nationalratsabgeordneter und Telekom-Sprecher für das BZÖ. Damals, als noch die Anständigen und Ehrlichen das Sagen in der Regierung hatten. Natürlich stellt sich die Frage, warum die Telekom einen Sprecher im BZÖ braucht. Wäre es nicht günstiger gewesen, dem orangebraunen Pack einfach ein Handy mit ein paar Freiminuten zur Verfügung zu stellen? Sprich mit Bob. Egal, man hat die kostenintensivere Variante gewählt.
Jedenfalls musste Klaus Wittauer unlängst vor dem U-Ausschuss antanzen, weil er in der Geldverteilungsorgie Richtung BZÖ eine zentrale Rolle spielt. Noch vor Beginn der Einvernahme gab es eine Riesenüberraschung. Ein Journalist wollte von ihm wissen: „Haben Sie von der Telekom Geld bekommen?“ Wittauers antwort: „Ich glaube nicht.“
Jetzt muss man sich vergegenwärtigen, dass es um Geldflüsse in der Höhe von knapp einer Million Euro geht und Wittauer glaubt. Er weiß es nicht. Nein, so darf man das nicht sehen. Er will uns nicht verarschen, er ist halt gläubig. Das ist sein gutes Recht. Fragt man Schönborn, also nicht den pfarrernden Schauspieler aus „Sister Act“, sondern den schauspielernden Pfarrer aus St. Stephan, ob es Himmel bzw. Hölle gibt, so antwortet dieser: „Natürlich, selbstverständlich oder so ähnlich.“ Nicht ums Verrecken wird er „ich glaube ja“ sagen. Das ist dann die Steigerung. Wittauer glaubt noch, Schönborn ist bereits wissend. Wahrscheinlich hat die regelmäßige Konsumation von Messwein und Weihrauch damit zu tun.
Die Schwarzen sind ja besonders gläubig. Man könnte fast meinen, das sind Katholenjunkies, die im Flachmann statt des doppelt gebrannten Obstlers Weihwasser mit sich führen. Sie glauben auch an den Himmel inklusive Erlösung, aber wollen das bereits hier und jetzt genießen. Einen kleinen Schritt in diese Richtung versuchte kürzlich Justizministerin Beatrix Karl. Diversion statt strafrechtliche Verfolgung samt Verurteilung bei Korruption. Das wollte sie uns als Verschärfung des Antikorruptionsgesetzes verkaufen. Ja, so blond kann eine Ministerin sein. Ihrem Gesetzesentwurf lag die mathematisch nicht bewiesene These von der geteilten Freude, die ja doppelte Freude sein soll zugrunde. Und so sollte es wahrscheinlich funktionieren:
Ein Politiker – das war jetzt unrealistisch, denn wahrscheinlich sind es viele Politiker – kassiert eine Million Schmiergeld. Man kommt ihn auf die Schliche, weil er vor laufender aber versteckter Journalistenkamera damit prahlt, ein Lobbyist zu sein. Das klingt zwar unrealistisch, ist es aber nicht, da wir bereits so einen Idioten haben. Was nun folgt, ist die Diversion. Diversion kommt von dividieren. Da wäre die Justiz, die Partei, welche das Justizministerium innehat, der Innenminister und der Delinquent. Also wird die Million durch vier dividiert, das Geld aufgeteilt und schon haben wir zumindest drei Glückliche. Der Vierte freut sich zwar nicht darüber, dass er das Geld teilen musste, ist aber heilfroh nicht in die Wachau übersiedeln zu müssen.
Und so leben sie alle glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende, das unter Umständen überraschend kommen kann.