Glücklich der Mensch, der Weisheit gefunden hat, der Mensch, der Verständnis erlangt!
Altes Testament – Sprüche – Kapitel 003 – Vers 013

Bahn fahren ist en vogue. Nicht zuletzt darum, weil sich Experten nicht einig sind, ob sie Flugzeuge durch Vulkanasche geschwängerte Luft fliegen lassen sollen, oder nicht und deshalb den Luftraum aus Sicherheitsgründen sperren. Mutterschutz für die Luft – sozusagen.

Ich fahre sehr oft mit der Eisenbahn. Nicht weil ich dieses Verkehrsmittel gegenüber dem Flieger den Vorzug gebe, sondern weil zwischen Brigittenau und Meidling keine regelmäßige Flugverbindung besteht. Gestern, zum Beispiel, war ich wie jeden Tag wieder Richtung Brigittenau unterwegs, um nach einem arbeitsreichen Tag Zuflucht in den heimatlichen Gefilden zu suchen.

In der Station Traisengasse hielt der Zug verdächtig lange. Dann knackte es im Lautsprecher und die Zugsbegleiterin verkündete: „Wegen technischer Probleme im Triebwagen verzögert sich die Weiterfahrt um einige Minuten. Wir bitten um ihr Verständnis.“ Die Passagiere reagierten darauf durchaus gelassen. In meiner Nähe war ein sehr eigenartiges und doch vertrautes Geräusch zu vernehmen. Unmittelbar danach verbreitete sich ein unglaublicher Duft. Nein, es war nicht Chanel No. 5. Es war Flatus Nr. 08/15.

Man stelle sich vor, ein Pilot macht eine derartige Durchsage. Da ist in der Kabine die Hölle los. Einige Minuten später: „Wegen technischer Probleme verzögert sich die Weiterfahrt um etliche Minuten. Wir bitten um ihr Verständnis.“ Die Gesichter einiger Fahrgäste wirkten nun leicht verkrampft. Ob das an der zu erwartenden Verspätung oder an der Methangas angereicherten Luft lag, war nicht festzustellen. Nach etlichen Minuten kam die finale Durchsage: „Wegen technischer Probleme muss der Zug geräumt werden. Wir danken ihnen für ihr Verständnis.“

Die Fahrgäste verließen murrend den Zug und zeigten ihr Verständnis für die Unannehmlichkeit dadurch, dass sie das Zugspersonal nicht tätlich angriffen.